Mein Spezialgebiet
Das Nervensystem, das
nicht loslassen kann.
Frühkindliche Reflexe: Was sie sind, warum sie manchmal aktiv bleiben und wie ich bei Kindern und Erwachsenen darauf teste.
Kinder & Jugendliche
Erwachsene
Spezialgebiet Juliane Danziger

Die Grundlage
Reflexe entstehen im Mutterleib – lange vor der Geburt.
Sie sind keine Krankheit und kein Defekt. Sie sind die klügste Lösung der Natur für eine der schwierigsten Aufgaben: ein Neugeborenes am Leben zu erhalten.
Frühkindliche Reflexe – auch primitive Reflexe oder Urreflexe genannt – sind automatische, genetisch festgelegte Bewegungsmuster, die bereits im Mutterleib entstehen. Viele bilden sich schon ab der 8. bis 10. Schwangerschaftswoche aus, lange bevor das Baby zur Welt kommt.
Sie laufen unbewusst ab, entstehen im Hirnstamm – dem evolutionär ältesten Teil unseres Gehirns – und erfüllen lebenswichtige Aufgaben: Sie ermöglichen den ersten Atemzug, sichern das Saugen und Trinken, helfen beim Durchgang durch den Geburtskanal und orientieren den Körper in der Schwerkraft.
Im Laufe des ersten Lebensjahres sollten sie sich Schritt für Schritt integrieren – das heißt: Sie werden von höheren Gehirnzentren übernommen und in bewusste, willentliche Bewegungsmuster umgewandelt. Jede Reflexbewegung, die ein Baby in diesen Monaten macht, baut dabei buchstäblich neuronale Verbindungen auf. Das Gehirn reift durch Bewegung.
Wenn dieser Prozess vollständig gelingt, legt das Kind die Grundlage für Koordination, Konzentration, Lernen und emotionale Stabilität. Gelingt er nicht vollständig, bleiben einzelne Reflexe aktiv.
Von der Entstehung zur Integration
Wichtige Unterscheidung
Primitive Reflexe vs. bleibende Reflexe
Frühkindlich · Temporär
Primitive Reflexe
Entstehen im Mutterleib, sind bei der Geburt voll aktiv und sollen sich im Laufe des ersten Lebensjahres vollständig integrieren – also von höheren Hirnzentren übernommen und durch willentliche Bewegungen ersetzt werden.
Beispiele: Moro-Reflex, Tonischer Labyrinthreflex, Asymmetrischer Tonischer Nackenreflex, Spinaler Galant-Reflex
Bleibend · Postural
Bleibende Reflexe
Entwickeln sich anstelle der primitiven Reflexe – wenn diese vollständig integriert worden sind. Sie entstehen ab dem 6.–12. Lebensmonat und bleiben lebenslang aktiv.
Beispiele: Gleichgewichtsreaktionen, Schutzreflexe, Stellreflexe. Sie ermöglichen uns, aufrecht zu stehen, zu balancieren und uns zu koordinieren.
Der Zusammenhang: Posturale Reflexe können sich nur dann vollständig entwickeln, wenn die primitiven Reflexe davor integriert worden sind. Ich schaue deshalb bei jedem Kind auf beide Gruppen von Reflexen.
Warum bleibt ein Reflex aktiv?
Wonach ich in der Anamnese frage
Frühkindliche Reflexe integrieren sich durch Bewegung, Erfahrung und Zeit. In der Anamnese frage ich deshalb nach diesen Punkten.
Stress in der Schwangerschaft
Chronischer Stress, Angst oder belastende Erlebnisse der Mutter während der Schwangerschaft.
Schwierige Geburt
Kaiserschnitt, zu schnelle oder instrumentelle Geburt, Nabelschnurumschlingung.
Infektionen in der SSW
Virusinfektionen oder Entzündungen während der Schwangerschaft.
Ausbleibende Meilensteine
Wenig Bauchlage, kein Krabbeln, direkt vom Sitzen zum Gehen, früher Einsatz von Lauflernhilfen.
Frühe Erkrankungen
Schwere Krankheiten, häufige Operationen oder ein langer Krankenhausaufenthalt im Säuglingsalter.
Weitere Faktoren
Frühgeburt, genetische Prädispositionen, toxische Belastungen in der Schwangerschaft oder schlechte Ernährung der Mutter.
Was das bedeutet
Wenn Reflexe aktiv bleiben
Das Kind ist nicht faul. Nicht schwierig. Nicht unkonzentriert.
Viele Eltern erleben, dass ihr Kind sich anstrengt und trotzdem an Dingen scheitert, die anderen leichtfallen, etwa ruhig sitzen, lesen, schreiben oder schlafen. Stell dir jemanden vor, der nicht gut auf einem Bein stehen kann und immer wieder ermahnt wird: „Fang nicht dauernd an zu wackeln.“ Der gute Wille ist da, und trotzdem wackelt er weiter.
Manche Kinder sind ärztlich untersucht, und alles ist unauffällig. Ihre Eltern spüren trotzdem, dass etwas nicht stimmt. Ob aktive frühkindliche Reflexe bei diesen Schwierigkeiten eine Rolle spielen, schaue ich mir in der Untersuchung an.
Die wichtigsten primitiven Reflexe
Welche Reflexe es gibt
Ich teste systematisch auf alle relevanten Reflexe. Hier sind die häufigsten.
Reflex 1
Moro-Reflex
Ab 10. SSW · Sollte integrieren:
3.–4. Monat
Das primäre Alarm- und Überlebenssystem des Säuglings. Ermöglicht den ersten Atemzug nach der Geburt. Jede plötzliche Veränderung – Licht, Lärm, Lageveränderung – löst ihn aus und schüttet Stresshormone (Adrenalin, Kortisol) aus.
Worauf ich achte
Überreizbarkeit
Hypersensibilität Geräusche/Licht
Reflex 2
Tonischer Labyrinthreflex (TLR)
Ab 12. SSW · Sollte integrieren:
3.–4. Monat
Reguliert den Muskeltonus in Abhängigkeit von der Kopfposition. Hilft dem Baby, sich an Schwerkraft anzupassen und sich im Mutterleib optimal zu positionieren. Entscheidend für den Aufrichtungsprozess nach der Geburt.
Worauf ich achte
Schlaffer oder straffer Muskeltonus
Schlechte Körperhaltung
Zehenspitzengang
Räumliche Wahrnehmungsprobleme
Reflex 3
Asymmetrischer Tonischer Nackenreflex (ATNR)
Ab 18. SSW · Sollte integrieren:
~6. Monat
Dreht Arme und Beine automatisch in Richtung der Kopfdrehung. Wichtig für Überkreuzbewegungen und Auge-Hand-Koordination.
Worauf ich achte
Schlechte Auge-Hand-Koordination
Werfen & Fangen schwierig
Einseitige Körperkoordination
Reflex 4
Symmetrischer Tonischer Nackenreflex (STNR)
Ab 6. Lebensmonat · Sollte integrieren: ~10. Monat
Verbindet Kopfbewegung mit Arm- und Beintonus. Hilft dem Kind, sich aus der Bauchlage aufzurichten und zu krabbeln. Trainiert auch den schnellen Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht – entscheidend für den Schulalltag.
Worauf ich achte
Lümmelhaltung beim Sitzen
W-Sitzhaltung am Boden
Motorische Unruhe
Schlechte Körperhaltung
Schwimmen schwierig (Brustschwimmen)
Reflex 5
Spinaler Galant-Reflex
Ab 15. SSW · Sollte integrieren:
~9. Monat
Berühren neben der Wirbelsäule dreht automatisch die Hüfte zur gleichen Seite. Entscheidend für die Kopfpositionierung im Geburtskanal. Trainiert Gleichgewicht und Koordination von Ober- und Unterkörper. Kann durch Stuhllehnen, enge Kleidung oder Gürtel ausgelöst werden.
Worauf ich achte
Extreme Unruhe & Zappeln
Keine enge Kleidung verträglich
Reflex 6
Palmar- & Babkin-Reflex
Ab Geburt · Sollte integrieren:
~3.–4. Monat
Verbindet Handdruck mit Mundöffnen. Evolutionär: Greifen und Saugen gehören zusammen. Ermöglicht dem Säugling sicheres Trinken an der Brust. Sollte durch das Krabbeln und Stützen auf den Händen vollständig integriert werden.
Worauf ich achte
Mund bewegt sich beim Schreiben mit
Verkrampfte Stifthaltung
Feinmotorik-Schwäche
Schwieriges Kauen
Die Beobachtungen bei den einzelnen Reflexen beschreiben das Modell, mit dem ich arbeite. Ob aktive frühkindliche Reflexe solche Auffälligkeiten verursachen, ist fachlich nicht geklärt. Die Beschreibung ersetzt keine ärztliche Abklärung, und einen Behandlungserfolg kann ich nicht versprechen.
Wichtig zu wissen
Frühkindliche Reflexe betreffen nicht nur Kinder.
Auch bei Erwachsenen können frühkindliche Reflexe noch aktiv sein. Manche Erwachsene erzählen mir, dass sie sich als Kind mehr anstrengen mussten als andere, um mitzuhalten. Sie haben länger geübt, mehr gelernt und sich durchgebissen, oft ohne zu wissen, warum ihnen manches schwerer fiel als anderen. Die Frage nach dem Warum begleitet viele bis ins Erwachsenenalter. Manche stoßen auf das Thema erst über die Untersuchung ihres eigenen Kindes.
Ich teste deshalb auch Erwachsene auf aktive Reflexe und begleite sie mit dem gleichen systematischen Ansatz wie Kinder.
Die gute Nachricht
Wie die Reflexintegration arbeitet
Bei der Reflexintegration macht dein Kind gezielte Bewegungsübungen, die die ursprünglichen Reflexbewegungen nachahmen. Die Idee dahinter ist, dem Nervensystem die Möglichkeit zu geben, Entwicklungsschritte nachzuholen.
Das braucht Regelmäßigkeit und Zeit, typischerweise mehrere Monate täglicher Übungen. Ob die Übungen bei deinem Kind etwas verändern, lässt sich vorher nicht sagen. Einen Erfolg kann ich nicht versprechen.
Wie ich vorgehe
Ausführliche Anamnese & Fragebogen
Schwangerschaft, Geburt, erste Monate, Entwicklungsmeilensteine, aktuelle Beschwerden. Ich schaue das ganze Bild an – auf allen 10 Ebenen.
Systematisches Reflex-Testing
Ich teste gezielt auf alle relevanten primitiven Reflexe – körperlich, spielerisch, altersgerecht. Bei Kindern und bei Erwachsenen.
Individuelle Behandlung & Übungsprogramm
Osteopathische Behandlung + gezieltes Bewegungsprogramm. Die Übungen werden auf das Kind (oder den Erwachsenen) abgestimmt und können täglich zu Hause durchgeführt werden.
Regelmäßige Kontrolle & Anpassung
Der Prozess wird begleitet, die Reflexe werden regelmäßig neu getestet, das Programm wird angepasst.
Bereit für den nächsten Schritt?
Sind bei eurem Kind noch Reflexe aktiv?
Ich teste es gern.
Systematisches Testing, ganzheitlicher Blick, individuelles Programm.
Für Kinder. Für Jugendliche. Und für Erwachsene, die schon lange suchen.
Oder direkt anrufen: 05194 9825503 · Bispingen, Lüneburger Heide

