Bauchlage – warum sie für Babys so wichtig ist

Eltern wird heutzutage zur Risikovermeidung des plötzlichen Kindstodes empfohlen, ihr Baby auf dem Rücken schlafen zu lassen. Aus Sorge legen viele Eltern ihr Baby deswegen auch im wachen Zustand ausschließlich auf den Rücken. Seit einigen Jahren beobachten Physiotherapeuten, Osteopathen und pädiatrische Neurologen eine Verzögerung der motorischen und sensorischen Entwicklung sowie vermehrte Kopfverformungen (Plagiocephalgien) bei Babys unter 12 Monaten.

Als Ursache wurde dafür u.a. die reduzierte Lageposition auf dem Bauch während der Wachphasen festgestellt.

Für die motorische und sensorische Entwicklung und zur Vermeidung von Kopfverformungen sollten Babys in Wachphasen immer mal wieder in Bauchlage liegen.

Dies möchte ich zum Anlass nehmen, um an dieser Stelle einmal die physiologischen Prozesse anzuführen, die durch die Bauchlage gefördert werden:

Verdauung

Durch den Bodenwiderstand werden die Organe während jedes Atemzuges durchgeknetet und durchblutet. Blähungen können sich ebenfalls besser lösen.

Kopfkontrolle

Die Nacken- und Rückenmuskulatur wird durch die freie Halswirbelsäulenrotation in alle Richtungen optimal gestärkt. Dieser Vorgang ist zusätzlich wichtig für die Entwicklung der Sinnesorgane (Augen, Ohren, Gleichgewichtsorgane).

Kopfform

Die symmetrische Kopfform wird durch den Zug der Nackenmuskulatur während der Bauchlage gefördert. Daher ist die Bauchlage insbesondere bei Plagiocephalgien (Kopfverformungen) eine unbedingt notwendige Zusatztherapie.

Augenentwicklung

Der Kopf befindet sich während der Bauchlage in einem hervorragenden Abstand zum Boden, um die Augen zu trainieren. Gegenstände können erkannt und fixiert werden, welches die Voraussetzungen für eine gute Ausbildung der Augenmuskulatur ist.

Gleichgewicht

Während der freien Halswirbelsäulenbewegungen werden die Gleichgewichtsorgane in der Bauchlage vermehrt stimuliert. Die unterschiedlichen Kopfstellungen werden mit den Gleichgewichtsempfindungen abgeglichen.

Mundschluss

Durch das gleichmäßige Training der vorderen und hinteren Muskel-Faszienketten erlangt das Baby einen guten Tonus in der Zungen-, Mund- und Rupfmuskulatur. Das Schließen des Mundes geschieht dann automatisch.

Aufrichtung

Über das Erlangen der Kopfkontrolle und dem Training der Nacken-, Bauch- und Rumpfmuskulatur lernt das Baby sich Stück für Stück gegen die Schwerkraft aufzurichten. Es beginnt zu robben, zu krabbeln und irgendwann aufzustehen. Voraussetzung dafür sind viele Work-outs in Bauchlage, die auch mal anstrengend und missmutig sein dürfen.

Atmung

Während der Öffnung des Brustkorbes durch die Atemhilfsmuskukatur in Bauchlage kann das Baby besser durchatmen. Daher ist die Lageposition bei Atemwegsinfekten ebenfalls entlastend.

Die Bauchlage kann ab dem ersten Tag auf einer flachen Unterlage geübt werden (nicht auf dem Bauch der Eltern).

In den ersten Monaten genügt es, das Baby 20–30 Sekunden, dafür aber 10–15 Mal am Tag auf den Bauch zu legen.

Missmutige Laute können anfangs normal sein, da die neue Position ein Work-out für die Kleinen darstellt (was aufgrund der oben genannten Punkte auch angestrebt wird).

Ab dem 3. Monat sollte das Baby einige Minuten in der Bauchlage verweilen können. Im 6. Monat liegt es dann mindestens zu der Hälfte der Wachphasen auf dem Bauch.

Du hast Fragen? Hierzu berate ich dich gerne.

Deine Juliane Danziger